Jonathan Larson und „tick…tick…BOOM!“

Das Vermächtnis einer Legende

Jonathan_LarsonJonathan Larson starb am Morgen des 25. Januar 1996 im Alter von nur 35 Jahren überraschend an einer Aortendissektion. Ein besonderes Datum aus zweierlei Gründen: Erstens, weil einer der bedeutendsten Musical-Komponisten aller Zeiten starb und zweitens, weil an diesem Tag Larson`s Musical "Rent" seine erste Vorstellung vor Zuschauern am Off-Broadway feiern sollte.

Auch wenn der Komponist dies nicht mehr erleben sollte: "Rent" wurde zu einem weltweiten Phänomen, zu DEM Kult-Stück der 1990er, das mit Themen wie Aids, Homosexualität und Gentrefizierung die Gefühle, Ängste und Lebenseinstellung einer ganzen Generation widerspiegelte. Larson war ein Meisterwerk gelungen, für das er posthum mit einem Pulitzer-Preis und zwei Tony-Awards ausgezeichnet wurde. Mehr noch: "Rent" rangiert bis heute auf Platz 11 der Broadway-Musicals mit der längsten Laufzeit aller Zeiten – noch vor "My Fair Lady" und "Miss Saigon".

Rock gehört doch nicht auf die Musicalbühne...

In der Geschichte des amerikanischen Musiktheaters gab es insgesamt nur vier Stücke, welche die Entwicklung des Genres auf Jahre hinaus bestimmen und diesem eine Richtung vorgeben sollten: "Showboat", "West Side Story", "Hair" und eben "Rent", das als erstes Musical konsequent auf moderne Rock-Musik setzte.

"Ich schreibe Musicals mit Rock-Musik. Ein Widerspruch in sich. Broadway hinkt ungefähr 50 Jahre allem, was man im Radio hört, hinterher. Rock gehört doch nicht auf die Musicalbühne… richtiger Rock! Nicht irgendein weichgespülter Schnulzenpop oder billige 50er Jahre Kaugummi-Imitationen. Nichtsdestotrotz versuche ich genau das..." - Jon, "tick...tick...BOOM!"

Seine Karriere verlief aber längst nicht so glanzvoll, wie man es Larson gewünscht hätte. Dieser versuchte bereits seit den frühen 1980er Jahren als Musical-Komponist Fuß zu fassen und lebte unter harten Bedingungen in Lower Manhattan, wo er sich als Kellner durchschlug. An seinem zweiten Musical "Superbia" schrieb er viele Jahre, musste schließlich aber akzeptieren, dass sein Stück, was Ausstattung und Inhalt betrifft, weder Off- noch Broadway-reif war. Die jahrelange Arbeit war umsonst...

Kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag stand Larson ohne großen Besitz und Perspektive als Musical-Komponist vor der Entscheidung, ob er tatsächlich weiter an seinem Traum, DAS Musical des Jahrzehnts zu schreiben, festhalten sollte.

Die Geburtsstunde von "tick...tick...BOOM!"

Das Ende von "Superbia" und diese für ihn richtungsweisende Entscheidung, verarbeitete Larson in seinem Musical "tick...tick...BOOM!", das er 1990 in der für diese Zeit neuartigen Form eines Rock-Monologs Off-Off-Broadway uraufführte.

Wie der Zufall es wollte, war unter den Zuschauern einer seiner Aufführungen der junge Produzent Jeffrey Seller, der durch "tick...tick...BOOM!" ein großer Fan von Jonathan Larson wurde und maßgeblich daran beteiligt war, "Rent" an den Broadway zu bringen.

Nach Larson`s Tod überarbeitete Pulitzer-Preisträger David Auburn ("Proof") den Rock-Monolog "tick...tick...BOOM!" und schuf ein Drei-Personen-Musical, das 2001 Off-Broadway premierte und seitdem in zahlreichen Ländern wie England, Kanada und Dänemark gezeigt wurde.

Am 07. Oktober 2016 feiert "tick...tick...BOOM!" seine Premiere im Bremer Schnürschuh Theater und erzählt dann zum allerersten Mal auch einem norddeutschen Publikum die wahre Geschichte eines großen Künstlers und besonderen Menschen.

Danke, Jonathan Larson!